Folge meiner Stimme

In einem kurdischen Bergdorf leben Berfé, ihr Sohn Temo und die kleine Enkelin Jiyan. Das türkische Militär ist täglich im Einsatz, um Rebellion und Terrorismus zu verhindern. Nachdem der Kommandant im Film „Folge meiner Stimme“ einen Hinweis erhalten hat, dass sich bei den Bewohnern versteckte Waffen befinden, lässt er jedes Haus durchsuchen. Da die Soldaten jedoch nicht fündig werden, lässt er alle Männer des Dorfes verhaften. Mit diesem drastischen Mittel will er die Angehörigen erpressen, die Waffen herauszugeben.

Folge meiner Stimme – Were Denge Min
Dauer: 105 Min.
FSK: ab 6 Jahren
Jahr:
Regie: Hüseyin Karabey
Produzenten: Huseyin Karabey, Emre Yeksan
Hauptdarsteller: Tuncay Akdemir, Feride Gezer, Melek Ülger
Nebendarsteller: Emrah Ozdemir
Studio: alleskino
Sprachen: Deutsch

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Berfé und Jiyan sind verzweifelt. Denn wie sollen sie dem Kommandanten eine Waffe aushändigen, wenn es im ganzen Dorf keine gibt. Sie begeben sich auf eine abenteuerliche Odyssee mit vielen Rückschlägen und ungewöhnlichen Begegnungen.

Besetzung, Regie und Drehorte

Hüseyin Karabey ist ein türkischer Regisseur und Drehbuchautor. Sein Studium absolvierte er an der Marmara-Universität in Istanbul in den Studienfächern TV und Kino. In den 1990 Jahren unterstützte er die kurdische Demokratiebewegung. Die Erfahrungen aus dieser Zeit prägen seinen Stil sowohl bei Dokumentationen als auch in seinen Filmen. Bereits sein erster Film „Gitmek – My Marlon and Brando“ wurde beim Film Festival Tribeca mit dem Preis für die beste Regie ausgezeichnet. Neben dem Drehbuch übernahm Karabey in „Folge meiner Stimme“ auch die Regie. Für die Kinematografie verantwortlich war die deutsche Kamerafrau Anne Misselwitz („Großstadtrevier“). Für den Soundtrack sorgten Serhat Bostanci, Ali Tekbas und A. Imran Erin.

Besetzt wurde der Film mit Laienschauspielern. In den Hauptrollen Feride Gezer, als Berfé, Melek Ülger als Jiyan und Tuncay Akdemi als Temo. Die Synchronisation in der deutschen Fassung spricht Meral Perin, eine in Berlin lebende Schauspielerin mit türkischen Wurzeln. Ausgezeichnet wurde der Film mit zahlreichen Preisen unter anderem mit dem Cineuropa Award und dem Best International Feature Film Award. Die Welturaufführung fand auf der Berlinale 2014 statt.

Handlung & Inhalt vom Film „Folge meiner Stimme“

„Von da, wo ich herkomme, werden Geschichten von Geschichtenerzählern erzählt, und so kamen die Geschichten zu uns in die Dörfer. Sie erzählen von einer Zeit, als die Blumen in den Gärten blühten und die Sonne sich nicht verstecken musste. Doch dann kam die Zeit, als der Mensch sich über den anderen stellte und die Sonne gefangen wurde. Meine Heimat gibt es nicht mehr und mein Land wurde mir genommen.“

Eiskalt bläst der Wind über eine in den Nebel eingehüllte Landschaft, die bereits erahnen lässt, dass sich Unheimliches anbahnt. Plötzlich öffnet sich eine Tür und dem Spuk wird ein Ende gesetzt. In einem warmen Raum sitzt die Dorfgemeinschaft und lauscht der Erzählung eines blinden, kurdischen Dengbej über Berfé, Jiyan und ihrem Vater Temo.

Gute Nacht Geschichten erzählt Großmutter Berfé ihrer Enkelin Jiyan jeden Tag und diese lauscht gespannt. Heute handelt sie von einem Fuchs, der bei einem Diebstahl erwischt wird. Dafür wird ihm sein ganzer Stolz, der herrliche Schwanz abgeschnitten. Friedlich scheint der Abend zu enden. Doch der Schein trügt, als die Katastrophe, in Form des türkischen Militärs in das Dorf einfährt. Mit Brutalität dringen sie in die Häuser ein und verhaften die Männer des Dorfes. Der Grund, wird den überraschten Bewohnern mitgeteilt sei eine Information, dass sich in jedem Haus eine Schusswaffe befinde. Erst bei Herausgabe dieser würden die Männer auf freien Fuß gesetzt.

Ratlosigkeit macht sich bei Berfé breit. Sie weiß, was ihr Sohn Temo im Gefängnis ereilt. Misshandlungen und Schlimmeres sind hier an der Tagesordnung. Sie würde die Waffe der türkischen Polizisten sofort aushändigen. Aber woher nehmen, wenn es keine gibt? Da kommt Jiyan auf eine Idee. Sie macht sich auf den Weg und präsentiert ihrer Großmutter stolz, ihre über den ganzen Tag gesammelten Spielzeugwaffen. Gut gemeint, aber das Militär können sie damit mit Sicherheit nicht überzeugen.

In ihrer Hilflosigkeit nimmt Berfé die ausgediente Waffe ihres Vaters und macht sich mit Jiyan am nächsten Tag auf den beschwerlichen Weg ins Grenzgebiet. Umso bitterer die Enttäuschung als der Kommandant sie auslacht und die Beiden unverrichteter Dinge wieder nach Hause zurückkehren müssen. Großmutter Berfé versucht es nun bei dem früheren Arbeitgeber ihres Sohnes. Er ist nicht nur reich, er hat auch großen politischen Einfluss. Doch er verweigert seine Unterstützung.

In ihrer Verzweiflung begeben sich Berfé und Jiyan, mit dem letzten Geld in die Berge. Es heißt hier leben Schmuggler, die Waffen in ihren Besitz haben. Doch auch hier haben sie kein Glück. Das türkische Militär war schneller und hat die ganze Gruppe verhaftet. Nun ist guter Rat teuer! Schaffen es Berfé und Jiyan eine Waffe zu beschaffen, um Temo aus dem Gefängnis zu befreien? Und was wurde eigentlich aus dem Fuchs, der sich auf die Suche nach seinem verlorenen Schwanz begab?

Fazit & Kritiken zum Film „Folge meiner Stimme“

Hüseyin Karabeys poetisch angehauchter Film „Folge meiner Stimme“ beginnt an einem Erzählabend eines kurdischen Barden. Mit diesem Kunstgriff bringt der Regisseur dem Zuschauer bereits am Anfang des Filmes die Geschichte des kurdischen Volkes näher, einer unterdrückten Bevölkerung ohne Heimat. Der Ablauf des Filmes wird immer wieder von kulturell typischen Liedern oder Erzählungen unterbrochen.

Beispielsweise Jiyan, sie lauscht dem Märchen ihrer Großmutter vom Fuchs der einen neuen Schwanz braucht, der Näherin aber erst Perlen, für die Perlen Eier und für die Eier Weizen holen muss. Und so geht es Jiyan und Berfé. Nur mit Beharrlichkeit können sie ihr Ziel, eine Waffe zu besorgen erreichen.

Authentizität zeigt der Film bei der Fahrt in einem Bus, wenn die Mitfahrer kurdische Lieder hören, die der Fahrer bei der nächsten militärischen Kontrolle mit einer Kassette eines türkischen Sängers austauscht.

Mit den schönen Bildern der Landschaft von Anne Misselwitz, untermalt mit den typischen Soundtrack der regionalen Musik und der großartigen Leistung der Laienschauspieler ist es Karabey nicht nur gelungen ein unterhaltsames und satirisches Abenteuer auf die Leinwand zu zaubern, sondern auch das Interesse und die Anteilnahme für ein unter militärischer Bewachung lebendes Volk zu wecken.

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