Die Zeit vor Netflix – Super 8 ins digitale Zeitalter retten

Super-8 FilmrolleDas Kino ist schon lange im digitalen Zeitalter angekommen. „DigitalCinema“ heißt das Stichwort – riesige Filmspulen, die von einem Vorführer gewechselt werden müssen, gehören der Vergangenheit an. Ebenso ungeplante Pausen durch gerissene Filme oder das wöchentliche Kleben der Werbeclips für den Eismann.

Und doch sind es gerade die Klassiker aus der analogen Ära, die es zu retten gilt und die es oft gar nicht digital gibt.

Verschollene Schätze im Wohnzimmerschrank

Es sind nicht nur alte Spielfilme, die man für den heimischen Kinoabend kaufen konnte – oftmals stark gekürzt, damit man nicht zu oft die Spule tauschen musste. Auch die gut betuchte Zielgruppe, die sich 15 D-Mark für 3 Minuten Film leisten konnten und der die Diafotografie zu profan war, hat das heimische Familienleben oder den Schwarzwaldurlaub auf Super-8 festgehalten.

 

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Das Problem: Die Projektoren werden schon lange nicht mehr gebaut, Ersatzteile findet man nur bei wenigen Spezialisten wie Wittner Kinotechnik (http://www.wittner-cinetec.com). Probiert man sein Glück trotzdem, kann einem der Projektor den Film schreddern oder durch die heiße Lampe verbrennen und die Erinnerungen sind beschädigt oder verloren.

Doch es gibt Hoffnung: Alte Filmschätze lassen sich digitalisieren, so dass man sie in einem handelsüblichen Dateiformat wie MPEG4 auf einem Stick speichern, bei YouTube hochladen oder auf dem Handy anschauen kann. Kaum vorstellbar für Millenials, dass man Filme nicht immer dabeihat.

Doch wie bekomme ich die Kindheitserinnerungen in die digitale Welt, wenn ich im Leben noch keine Filmspule in der Hand hatte?

Digitalisierung selbst gemacht – verschiedene Methoden von einfach bis top

Es gibt verschiedene Methoden, wie man Super 8 digitalisieren kann. Die Film-Retter haben unter https://www.super-8.com/super-8-selbst-digitalisieren.html eine Übersicht der verschiedenen Verfahren bereitgestellt. Den Klassiker haben viele schon einmal ausprobiert: Warum nicht einfach eine Leinwand aufstellen und mit der Kamera (oder einfach dem Handy) die Projektion abfilmen?

Einfach abfilmen

Super-8 Filmkamera zum selber filmenDiese Methode ist von den Kosten her schlicht unschlagbar. Wenn man noch eine digitale Videokamera besitzt oder für ein paar Euro ein Handystativ kauft, ist das ganze recht einfach erledigt. Wichtig ist, dass man die Kamera möglichst nah an den Projektor stellt – so ist das Bild nicht verzerrt und man bekommt alles drauf.

Allerdings gibt es entscheidende Nachteile: Zum einen besteht immer noch das Risiko, dass der alte Projektor den Film beim Abspielen zerstört, weil er lange nicht gewartet wurde. Zum zweiten – und das ist noch viel entscheidender – ist die Bildqualität selbst dann unbefriedigend, wenn ich sehr kostenbewusst bin. Der Grund liegt in der Bildwiederholfrequenz: Super 8 lief mit 18 oder 24 Bildern, ein aktuelles Video läuft mit 25 Bildern pro Sekunde. Die Folge ist starkes Flimmern oder Pumpen. Von „schönen Farben“ darf man bei dieser Methode erst recht nicht träumen.

Nur, wer gar kein Geld investieren kann oder möchte, wird hier fündig.

Glasscreen – Abfilmen von der Mattscheibe

Super 8 Film FotografieWer zumindest minimale Qualitätsansprüche hat, kann das Glasscreen-Verfahren probieren. Hierfür benötigt man eine Mattscheibe, die aus zwei Glasscheiben besteht, zwischen denen eine Wachsschicht eingeschlossen ist. Diese gibt es für ca. 120 Euro im Internet zu bestellen.

Man projiziert den Film von der einen Seite auf die Scheibe und filmt mit der Kamera von der anderen Seite ab. Das löst schon einmal das Problem mit dem verzerrten Bild: Projektor und Kamera stehen sich direkt gegenüber. Das spiegelverkehrt aufgenommene Bild muss man allerdings im Videobearbeitungsprogramm noch wieder in die richtige Seitenlage bringen. Alternativ gibt es Glasscreen-Sets mit Umlenkspiegel, bei denen dieser Schritt entfällt.

Auch dieses Verfahren löst allerdings weder das Projektionsrisiko noch die Differenz in der Bildwiederholfrequenz.

Super 8 Scanner – für stumme Anspruchslose

Seit einigen Jahren kann man Super 8 Scanner für den Heimgebrauch für ca. 350 Euro kaufen. Auf den ersten Blick eine tolle Lösung: Ohne PC landen die alten Filme aus dem Wohnzimmerschrank ohne Umwege auf einer SD-Karte. Auch wenn das Gerät kein Geschwindigkeitswunder ist (jedes einzelne Filmbild wird abfotografiert, danach wird der Film ein Bild weiter transportiert und so weiter), so kommt man doch vergleichsweise schnell voran. Man erhält eine MP4-Datei, die überall gut funktioniert. Für den Preis wirklich eine tolle Lösung.

 

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Schwächen offenbaren sich im Detail: Auch wenn das Bild flimmerfrei ist und die alten Filme sicherer sind als im alten Super-8-Projektor, so werden die Filme mit 30 Bildern pro Sekunde abgetastet und somit deutlich schneller, als sie aufgenommen wurden (18 Bilder). Dadurch bekommen die Filme eine Art Stummfilmästhetik mit schnell laufenden Menschen. Prinzipbedingt kann das Gerät auch keinen Ton übertragen. Wer sich also damals besonders viel Mühe gemacht und seine Filme kommentiert und vertont hat, wird enttäuscht.

Die Alternative – der Profi

Im Laufe der Jahre haben sich verschiedene Anbieter darauf spezialisiert, alte Super-8 Filme zu digitalisieren. Das größte Netz an Annahmestellen in Deutschland haben die Film-Retter aus dem Rheinland (www.film-retter.de). Hier gibt man die alten Filme ab und erhält nach wenigen Wochen einen USB-Stick oder eine Festplatte mit den digitalisierten Filmen zurück.

Zum Einsatz kommen professionelle Filmabtaster in SD, FullHD oder 4k. Auf Wunsch kann der Film nachbearbeitet werden, das ganze gibt es ab schmalen 99 Cent pro Minute.

Am Ende des Tages muss man die Entscheidung treffen, wie wichtig die Erinnerungen aus der Vergangenheit sind. Sind es nur Landschaftsaufnahmen aus der Lüneburger Heide, ist das Abfilmen mit dem Handy eine Möglichkeit, für wenige bis null Euro noch einmal reinzuschauen und sie in der Familie zu verteilen. Sind auf den Filmen die letzten Aufnahmen eventuell schon verstorbener Verwandter, sollte man überlegen, ob man vom Aufwand und von der Qualität her beim Profi nicht besser aufgehoben ist.

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