Mehr als nur Alien – Ridley Scotts beste Filme

Mehrere Jahrzehnte schon zaubert Regisseur Ridley Scott gigantische Visionen auf die Kinoleinwand: Historische Landschaften im alten Rom oder Mittelalter sowie im biblischen Ägyptens wechseln sich mit der weiten Leere des Weltraums und offenen Gewässern der Welt ab. Auch der smogverseuchte Großstädte, wie Los Angeles oder Osaka in Japan sind für ihn Terrain, das für Filmhandlungen bereits hergehalten hat.

Mehr als nur Alien - Ridley Scotts beste Filme

Bereits die ersten drei seiner Langfilme „The Duellists“, „Alien“ und „Blade Runner“ zeigten, wie souverän Scott mit Genrefilmen umgeht und wie atmosphärisch und gleichzeitig intelligent er Geschichten erzählen kann. Doch allzu oft wird der Regisseur auf den bereits erwähnten Deepspace-Horrorstreifen „Alien“ sowie Nachfolger der Reihe „Prometheus“ und „Alien: Covenant“ reduziert. Dabei weist Scotts Filmografie etliche weitere hervorragende Filme auf.

Alien

Ja, Ridley Scott ist weit mehr als „Alien“. Dennoch kommen wir nicht darum herum, den Sci-Fi-Klassiker von 1979, diesen Kultfilm unter den Weltraum-Horrorfilmen zuallererst zu nennen. Denn Alien hat nicht nur das Science-Fiction-Genre ähnlich wie die Star-Wars-Reihe maßgeblich mitgeprägt, er ist auch unglaublich gut gealtert und heute noch spannend wie eh und je.

Dabei erzählt Alien auch noch eine wichtige und intelligente Story. Die Handlung spielt in einer nicht allzu weit entfernten Zukunft, in welcher der Bergbau-Raumkreuzer „Nostromo“ auf dem Weg zur Erde plötzlich einen Notruf von einem leblosen Planeten empfängt. Die Crew rund um Protagonistin Ripley (Sigourney Weaver) und den Androiden Ash (Ian Holm) sieht sich gezwungen, dem Signal zu folgen. Bei den Erkundungen des Planeten stößt die Crew auf ein verlassenes Raumschiff. Als die Besatzung beginnt, das Signal zu analysieren, wird schnell klar, dass es sich dabei um keinen Notruf handelt. Stattdessen stellt sich der Ruf als Warnung heraus – doch zu diesem Zeitpunkt ist es eigentlich schon zu spät.

 

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In Alien geht es, wenn man etwas tiefer in die Handlung eindringt, auch um die Verletzlichkeit des menschlichen Körpers, um die Angst vor dem Anderen und die Furcht vor Krankheiten und viraler Invasion. Der Film trifft dabei vielleicht sogar auch vor dem Hintergrund der aktuellen Pandemie erneut einen Nerv bei vielen Zuschauern, die den Klassiker noch nicht genossen haben.

Unter anderem der Alien-Reihe hat Ridley Scott es übrigens auch zu verdanken, dass er die Liste der kreativsten Killer aus Hollywood anführt. Wie viele Regisseure können schon von sich behaupten, die Charaktere ihrer Filme nicht nur durch Erstechen, Explosionen und Schießereien, sondern auch durch Alien-Angriffe und das Verspeisen bei lebendigem Leibe gestorben haben zu lassen?

Blade Runner

Auch „Blade Runner“ von 1982 gilt längst als futuristischer Klassiker und wird von vielen Fans sogar als noch einflussreicher und wichtiger als die Alien-Reihe empfunden. Was Blade Runner über Identität, virtuelle Realität und künstliche Intelligenz ins Kino brachte, wurde zur Grundlage für etliche neuere Sci-Fi-Filme.

Der Film basiert auf Philip K. Dicks 1968 erschienenem Roman „Do Androids Dream of Electric Sheep?“ („Träumen Androiden von elektrischen Schafen?“). Mit dem eleganten und geheimnisvollen Titel „Blade Runner“ konnte Scott den Autor K. Dick der Welt noch einmal zugänglicher machen und dessen Visionen ihren heutigen Kultstatus verleihen.

 

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Blade Runner spielt in einer fiktiven Metropole, die an asiatische Megastädte, aber auch an ein futuristisches Manhatten erinnert. Harrison Ford spielt Deckard, einen Ex-Polizisten, der von den städtischen Behörden den Auftrag bekommt, seine Arbeit als „Blade Runner“ wieder aufzunehmen.

Ein Blade Runner ist ein Spezialkiller, dessen Aufgabe es ist, ungehorsam gewordene „Replikanten“ (neu-menschliche Androiden-Diener) aufzuspüren. Während Deckard diesem Auftrag nachgeht, verliebt er sich in einen der Replikanten. Rachael, gespielt von Sean Young, wird überwältigt von der den falschen Erinnerungen, die ihr eingepflanzt wurden.

Sind es vielleicht die Replikanten, die eine Seele haben und nicht die Menschen, die diese behandeln wie eine minderwertige Klasse? Spätestens wenn der von Rutger Hauer gespielte Replikant, Roy, am Ende des Films seine berühmt gewordene Schlussrede hält, die er teilweise improvisierte, wird klar, dass der künstliche Mensch kein leerer und emotionsloser Roboter ist.

Thelma & Louise

Man könnte eigentlich denken, dass sich Scotts Regiestil, der meist als epochal, gewaltig und überbordend empfunden werden kann, schlecht für die Intimität eines Drehbuchs von Callie Khouri eignet. Vor allem, wenn es darin um Frauen und die Flucht aus patriarchalen Gepflogenheiten geht. Doch Ridley Scott gelang auch dieser Film im Jahr 1991, der zu einer Art frühem Emanzipations-Roadmovie mit Anerkennung auch in der Feminismus-Szene avancierte.

 

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Louise (Susan Sarandon), die eine taffe und kluge Kellnerin spielt, pflegt eine gute Freundschaft zur gutmütigen und unschuldigen Hausfrau Thelma (Geena Davis). Diese wird von ihrem Mann vernachlässigt und schlecht behandelt. Als Thelma und Louise zu einem Angelwochenende aufbrechen, halten sie an einer Raststätte. Ein Fremder versucht Thelma auf dem Parkplatz zu vergewaltigen, bis Louise ihn mit einer Pistole bedroht. Nachdem dieser sie beschimpft, erschießt sie ihn in einem Wutanfall und im Eifer des Gefechts. Von da an sind Thelma und Louise gesuchte Verbrecherinnen, deren Verbrechen auf Selbstverteidigung und die Wut über das Patriarchat und generationenlanger, frauenfeindlicher Misshandlungen und Übergriffigkeiten zurückzuführen ist.

Amerikanische Roadmovies haben sich zuvor schon meist die Landschaft des Westens und die Freiheit, die sie repräsentiert, zunutze gemacht. Das Bild zweier Frauen allerdings, die sich auf die offene Straße begeben, um deren Möglichkeiten zu erkunden und später dem Gesetz sowie der Welt der Männer zu entkommen, war neu und strahlt noch heute eine einzigartige Kraft aus.

Ridley Scott’s „The Martian“

Entschlossenheit und der Wille zum Überleben gehören zu den Hauptmotiven vieler Filme und den Tugenden etlicher Protagonisten. Doch in „The Marsian“ von 2015 geht Scott noch einen Schritt weiter, indem er den Roman von Andy Weir in einem weiteren Sci-Fi-Film hervorragend umsetzt.

Mark Watney (Matt Damon) wird in der Geschichte auf dem Mars zurückgelassen, da man ihn für bereits tot hält. Dort, umgeben von umherfliegenden Trümmern und einem schwindenden Sauerstoffvorrat, muss er sich überlegen, wie er sein Leben auf einem unbewohnbaren Planeten sichern kann. Das alles geschieht vor dem Hintergrund und mit der schwachen Hoffnung in Geist und Körper, irgendwann vielleicht noch gerettet zu werden.

Ridley Scotts Film Der Marsianer

Obwohl der Marsianer weit entfernt von der Hilflosigkeit ist, die die Figuren in Alien übermannt, haben die beiden Filme eine Sache gemeinsam: Den simplen Überlebenswillen einer einzigen Figur ausgeht, die sich weigert, die scheinbare Unvermeidlichkeit des Scheiterns zu akzeptieren.

In einer Zeit, in der wissenschaftliche Prozesse in bestimmten politischen Kreisen als theoretisches Gefasel dargestellt werden, ist es eine Genugtuung, diesen Film zu sehen, der haarscharfe Problemlösungen als im Grunde heroische Leistungen kommentiert. Die Bedeutung von Wissen und rationaler und intellektueller Genauigkeit werden nicht aussterben – genauso wenig wie der Marsianer es wird.

House of Gucci – Ridley Scott neuestes Werk

„House of Gucci“, der bis dato jüngste Film von Ridley Scott aus dem Jahr 2021, erntete gemischte Kritiken. Der Spiegel schrieb etwa:

„Je länger der Film dauert, desto schablonenhafter aber werden die Figuren, bis sie irgendwann nur noch Sprachrohre für sinnlose […] sind und ihre Lebenswelt zur Kulisse für protoitalienischen Kitsch (Espresso, Prosciutto, Carpaccio, Vespa) verkommen ist. Das haben weder die Schauspieler noch die eigentlich gute Geschichte verdient.“

 

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Man kann House of Gucci aber auch ganz anders lesen und verstehen. So haben wir es getan. Ridley Scott möchte nämlich vielleicht genau das: Eine Geschichte erzählen, die tiefsinnige Dialoge und wahre Gefühle vermissen lässt. Es geht dem Regisseur vielleicht vielmehr um die Oberfläche, für die Marken wie Gucci und all der Luxus, mit dem man sie verbindet, stehen. Oberflächlich wird der Film, der den Untergang des Familienunternehmens erzählt, das erst so zu einem Weltkonzern werden konnte, dabei dennoch nicht.

Die wahre Geschichte der Gucci-Familie wird in diesem Film zu einer Farce mit diversen lächerlichen Figuren. Adam Driver, Lady Gaga, Jared Leto, Al Pacino und andere spielen genau diese Figuren hervorragend – weshalb sie und die Geschichte diese Darstellungsweise genau mehr als verdient haben.

Gladiator

Schwert und Sandalen hatte man im Kino lange nicht gesehen, bis Scott im Jahr 2000 ein Historien-Genre wiederbelebte, das in Hollywood seit einigen Jahren geschlummert hatte. Außerdem gelang es ihm, aus dem zuvor oft als muskulösen Macho verschrienen Russell Crowe einen Filmstar mit Tiefe zu machen.

Crowe spielt Maximus Decimus Meridius, den Vater eines ermordeten Sohnes und den Ehemann einer ermordeten Frau, der sich in diesem oder im nächsten Leben rächen will. Er ist ein Feldherr, der von dem neidischen neuen Kaiser Commodus verraten und in die Sklaverei verkauft wird. Auch Commodus, gespielt von dem zu diesem Zeitpunkt ebenfalls noch leicht unter dem Radar schwimmenden Joaquin Phoenix, spielt eine fantastische Rolle.

Trailer zum Film Gladiator auf Youtube

Doch Crowe, der in seiner neuen Rolle als größter Gladiator des Landes seine Rache plant, ging mit „Gladiator“ zurecht in die Filmgeschichtsbücher ein. Das Drama ist ein Scott-typisches, mächtiges Epos mit fantastischem, historischem Artdesign, in dem neue, digitale Effekte optimal genutzt werden, um gerade die spannenden Szenen im Kolosseum so spektakulär aussehen zu lassen, wie es nur geht.

Black Hawk Down von Ridley Scott

Im letzten Film dieser Liste geht es ebenfalls um Krieg, allerdings nicht den Krieg eines Einzelnen, sondern eines ganzen Landes gegen einen großen Feind. „Black Hawk Down“, der 2001, also genau ein Jahr nach „Gladiator“ ins Kino kam, ist ein wahrheitsgetreuer Kriegsfilm, der im Somalia der 90er Jahre spielt.

Scott erschuf hier einen modernen amerikanischen Dünkirchen-Mythos: Die USA führen ihre friedenserhaltende Operation in Mogadischu durch, bei welcher Spezialeinheiten versuchen, einen Warlord zu entführen. Dieser terrorisiert die unschuldige und friedvolle Zivilbevölkerung und muss gestoppt werden.

 

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Doch die Mission verläuft nicht wie geplant, als einer der Black-Hawk-Hubschrauber abstürzt. Ab diesem Zeitpunkt geht es für die Amerikaner nur noch darum, alle ihre Leute lebend aus dem Kriegsgebiet zu holen.

Scott fuhr auch für diesen Film wieder das volle Geschütz an Action und atemberaubenden Effekten auf. Immer wieder wurde kritisiert, dass Scott ein Art unpolitischen Ansatz für einen politisch aufgeladenen Konflikt wählte. Allerdings überspielt die Kunst der Inszenierung im Grunde jedes moralische Argument, da das Chaos und die pure Zerstörung am Schauplatz die Ereignisse doch überzeugend und auf eigene Art und Weise realistisch darstellen.

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